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6. Ein Besuch bei der Firma Schertler

Unbedingt wollte ich anlässlich meiner Diplomarbeit mit einer kompetenten Person aus dem Bereich der Kontrabasstonabnehmer-Herstellung sprechen. Da ich selbst mit einem Schertler StatB spiele und die Firma einen ihrer Sitze in Mendrisio (TI) hat war es naheliegend mich mit dem Firmeninhaber und Gründer Stephan Schertler zu treffen. Da Stephan Schertler selbst auch Kontrabassist ist, war er für mich der perfekte Interviewpartner. Am 3. Februar 04 reiste ich nach Mendrisio. Stephan Schertler zeigte und erklärte mir zuerst die ganze Produktion. Neben den Kontrabass Tonabnehmern StatB und DynB produziert die Firma auch erstklassige Tonabnehmer für akustische Instrumente jeglicher Art (Violine, Cello, Piano, Gitarre...).

Aber auch Pre-Amps (Stat pre und pre-a II), Acoustic Amps (Unico ) und Speakers (Pub 2/280 und Pub1/380) stellt die Firma her. Seit 1996 produziert Stephan Schertler nebst den Schertler Produkten unter dem Label SR Technology PA Equipment (PA Amps, Monitore, Mixer, Speakers, Sub Woofer...). Und seit einigen Jahren fertigt die Schertler Swiss Group auch noch Saiten für Kontrabass und Cello.

Die Velvet Strings haben einen Kern aus Naturfasern (u.a. Seide) und werden mit Metall oder Kunststoff bespannt. Dies ist ein ganz neues Verfahren in der Geschichte der Saitenproduktion. Vom Sound her erinnern sie eher an die Darmsaite als an die Stahlsaite. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlichst bei Stephan Schertler bedanken, der sich den ganzen Nachmittag für mich Zeit nahm und mir nach seiner Führung durch die Produktionsstätte das folgende Interview gab.

Stephan, wie bist du darauf gekommen selbst einen Tonabnehmer zu bauen?

Kurz gesagt war ich ein unzufriedener Anwender. Ich spielte damals (1985) einen Underwood Pick Up mit einem Polytone Amp. Was mich wegen dem „scherbeligen“ Piezo-Sound nicht wirklich befriedigte. Dann spielte ich ein Jahr lang quasi nur mit einem Mikrofon. Was mich, trotz allen sich damit verbundenen Problemen, vom Sound her faszinierte. Ich probierte noch verschiedenste Pick-ups aus, kam jedoch auf kein zufriedenstellendes Resultat. Ich überlegte mir, wie ich ein Kondensator- Mikrofon am Bass applizieren müsste, dass es keine Rückkopplungen gibt. Dann eines Morgens, ich mag mich genau erinnern, wachte ich mit einer konkreten Idee auf. Man müsste das Kondensator-Mikrofon mit einem elastischen Material (Kork) isolieren dieses in ein Stegloch klemmen, so dass das ganze über Körperschall funktionieren müsste. Ich stand auf und baute mir im Pyjama meinen ersten Tonabnehmer zusammen. Am Abend hatte ich dann tatsächlich einen funktionierenden Prototyp, der zwar ein wenig rauschte, aber ich wusste genau, das ist es!!

 
Abb. 12 Schertler StatB mit Stat pre (seit 1987)

Inwiefern unterscheidet sich der StatB von deinem neueren Modell, dem DynB?

Das Prinzip des DynB ist ein ganz anderes. Es ist so, dass ich beim DynB eine Spule mit dem Tonabnehmer verbinde, die auf der Kontrabassdecke angebracht, durch die Schwingungen derer in Bewegung gebracht wird.

Der StatB hingegen misst genaugenommen die Deformation des Steges. Welche durch das Anspielen der Saiten zustande kommt. Wäre der Steg aus sehr hartem Material und somit nicht deformierbar würde der StatB nicht funktionieren. Der StatB, welcher in ein Stegloch geklemmt wird, wäre eigentlich ein höhenlastiger Tonabnehmer. Jedoch konnte ich diesen Nachteil durch mechanische und elektrische Korrektur am Frequenzgang weitgehend beheben. Aber diesbezügliche Korrekturen sind nie vollends befriedigend. Dazu kommt, dass der StatB ein wenig zu schnell anspricht, gerade in den tiefen Lagen. Akustisch nimmt man einen angespielten tiefen Ton erst später wahr als ihn der Tonabnehmer wiedergibt. Das heisst das Timing stimmt nicht ganz und die Wiedergabe könnte diesbezüglich dem akustischen Sound näher sein.

Also überlegte ich mir eine Alternative um meinem Klangideal näher zu kommen. Das was der Bass akustisch an Sound abstrahlt kommt ja eigentlich von der Decke her. Man müsste nun einen Tonabnehmer konstruieren, der die exakten Schwingungen der Decke messen kann, dachte ich mir. Aus dieser Überlegung heraus entwickelte ich den DynB Tonabnehmer. Und somit eine extrem konsequente Akustikverstärkung. Einziger Nachteil man kann nicht übermässig laut spielen (Rückkopplungsanfällig) und man ist durch die sehr ehrliche Wiedergabe auf ein gutes Instrument angewiesen.

 
Abb. 13 Schertler DynB (nimmt Schwingungen der Decke ab)

Welche Vorteile haben deine Pick-ups gegenüber Piezo- und magnetischen Pick-ups?

Bei meinen Pick-ups ist die Wandlung sicherlich schneller und präziser. Der Piezo an sich ist ja eigentlich ein Kristallsalz. Wenn sich nun diese Piezo-Kristalle verformen erzeugen sie elektrische Spannung. Dies funktioniert nur wenn das sehr viele und harte Kristalle sind. Ein Piezo ist mit einer „angeregten“, ständig schwingenden Glasscheibe zu vergleichen, darum haben Piezos auch so einen „scherbeligen“ Sound. Zum Beispiel ist ein Piezo sehr anfällig auf Saiten- und Fingergeräusche, nur was man effektiv aus dem Amp hört, ist nicht die Wiedergabe dieser Geräusche, sondern es sind vielmehr die Piezo-Resonanzen welche durch die Saitengeräusche angeregt werden. Und diese Piezo-Resonanzen machen den Sound halt etwas hart und dünn.

Ein weiteres Problem haben Piezo Tonabnehmer mit den tiefen Frequenzen. Die Wiedergabe der Bässe ist sehr hart und eindimensional. Der Vorteil der Piezo’s ist der Preis. Ein Piezo-Element kostet 10 Rappen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man damit sehr laut spielen kann. Magnetische Tonabnehmer braucht man zur Kontrabassverstärkung eigentlich nicht mehr. Höchstens in Rockabilly-Bands und dort auch nur aus traditionellen Gründen. Der Sound ist zwar sympathisch, hat jedoch mit Kontrabass nichts zu tun. Als „gummig“ und „hohlig“ würde ich den Sound bezeichnen. Klingt eigentlich wie ein alter Elektrobass.

Auf was für Probleme bist während der Entwicklung deiner Tonabnehmer gestossen?

Eigentlich nur die Verstärkung. Das Marktangebot im Bereich der Kontrabassverstärker liess zu wünschen übrig. Entweder gab es Verstärker für Elektrobass, welche logischerweise ein ganz anderes Soundkonzept aufwiesen oder man verwendete einen speziellen Kontrabassverstärker, die Firmen wie Polytone oder Gallien Krueger im Angebot hatten. Jedoch waren diese nur mit einem Basslautsprecher (meist 15“) bestückt und im Höhenbereich war die Wiedergabe dementsprechend schwach. Zudem waren diese Verstärker mit einer Elektronik bestückt, die den Sound extrem abrundeten, was zur Folge hatte, dass die Dynamik und die Artikulation des Spielers nicht wirklich hörbar war. Spielte man diese Amps aber mit einem Piezo-Tonabnehmer, welche ja in der Regel sehr agressive Höhen aufweisen, funktionierten diese bestens. Das Resultat entsprach zwar überhaupt nicht dem akustischen Sound des Basses, aber ich muss doch sagen es war ein „ertragbarer“, holzig, warmer Klang. Mit dem StatB oder dem DynB funktionierten diese Amps vor allem wegen ihren limitierten Frequenzgängen jedoch nicht wirklich zufriedenstellend. Es wäre dasselbe, wie wenn du mit einem hervorragenden Gesangsmikrofon über diesen Verstärker singen würdest. Das würde auch wie ein Kofferradio klingen. Meine Pick-ups wandeln die Frequenzen des Instruments sehr präzise, das heisst ich brauchte einen Verstärker der fähig war dieses Klangbild wie ein Spiegel darzustellen. Und damit war ich vorerst an eine Grenze gestossen, denn es gab effektiv keine Produkte. Wirklich glücklich bin ich mit der Kontrabassverstärkung erst seit drei Jahren. Seit der Preamp II, der DynB und die Pub Active Boxe perfekt zusammenspielen. Ich hörte viele Bassisten u.a. auch Larry Grenadier mit dieser Kombination spielen und ich muss sagen er hatte damit einen Top-Sound. Einen trockenen, dreidimensionalen, klaren und direkten Kontrabasston bei dem man wirklich nicht hört, dass er verstärkt ist. Eigentlich den Sound den ich immer gesucht hatte! Der darum für mich momentan auch nicht mehr verbesserbar ist.

 
Abb. 14 Schertler Preamp II
 

Abb. 15 Schertler Pub Active Boxe

Wo stehen deine Produkte im Preisvergleich mit der Konkurrenz?

Ich denke, der StatB ist preislich im Mittelfeld anzusiedeln und der DynB ist klar im oberen Preissegment. Da beim DynB eine neue, komplizierte Technologie und somit eine jahrelange Entwicklungsarbeit dahinter steckt ist der hohe Preis gerechtfertigt.

Da der DynB, der übrigens auch für akustische Instrumente wie Cello, Piano und Violine erhältlich ist, klar ein Exot ist, ist der Markt bereits ziemlich gesättigt. Obwohl wir vor einiger Zeit hunderte dieser Tonabnehmer an diverse Orchester verkaufen konnten haben wir bis heute gerade mal die Kosten dieses Produktes decken können. Anders ist es mit dem StatB. Dieser hat sich wirklich zu einem Standardmodell entwickelt. Konservativ geschätzt spielen ca. 5000 Bassisten dieses Modell.

Wie empfiehlt es sich bei grössren Gigs einen Kontrabass zu verstärken? Ist es angebracht zusätzlich noch ein Mikrofon zu verwenden?

Da ich als Bassist einen DynB spiele, welcher sehr nah an einem mikrofonischem Ton ist, spiele ich ausschliesslich mit diesem. Denn das bereitet mir weniger Probleme als wenn ich mit einem zusätzlichen Mik spielen würde. Ich spiele live eine Schertler Pub Boxe, die ich leicht angewinkelt auf den Bühnenboden stelle, mit wenig Volumen. Damit ich mich vor allem akustisch wahrnehme. Über den DI-Out des Preamp II schicke ich mein unbearbeitetes Signal dem Tontechniker, der dieses direkt ins PA-Pult einschlauft. Hätte ich jedoch keinen DynB, würde ich wahrscheinlich mit einem zusätzlichen Mik arbeiten.

Wäre ein gutes Mikrofon denn nicht die beste Lösung, wenn da nicht diese Einstreuungen wären?

Klar! Ich würde bestimmt keinen Tonabnehmer spielen wenn man mit dem Mikrofon nicht auf diese Probleme stossen würde. Nur gibt’s da noch ein physikalisches Problem mit Mikrofonen. Die tiefen Frequenzen werden sehr bassig und „pumpig“ wiedergegeben. Damit ein Mikrofon alle Frequenzen einwandfrei wandeln kann müsste das Mikrofon weiter wegstehen als die längste Wellenlänge. Das wären bei einem Kontrabass ca. 4 bis 5 m. Und dies ist natürlich auf den wenigsten Bühnen realisierbar.

Anders würde sich ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik verhalten. Dies könnte man zwar viel näher positionieren, aber die Einstreuungen wären durch diese Charakteristik immens.

Wie empfiehlt es sich einen Kontrabass aufzunehmen?

Ich habe sehr viel Studioerfahrung. Als Spieler und vor allem aber als Aufnahmeleiter. Und habe diesbezüglich eine ziemlich eindeutige Meinung. Nehmen wir als Beispiel ein Jazz-Piano-Trio. Meine Philosophie ist es, in erster Linie das Trio aufzunehmen und nicht den Bass, das Piano oder das Schlagzeug.

Ich empfehle es dem Bassisten sich leicht mit seinem Tonabnehmer zu verstärken. Die Musiker sollten dann sehr nahe beieinander stehen. Das Piano würde ich mit einem Stereo-Mikrofon mit Kugelcharakteristik abnehmen. Den Bass mit zwei Kugelcharakteristik-Mikrofonen im Abstand von 2 cm platziert zwischen Saitenhalter und Steg. Für das Schlagzeug stelle ich 2 Mikrofone (ebenfalls Kugelcharakteristik) über den Schultern des Drummers auf und meist lege ich noch zwei Grenzflächenmikrofone auf den Boden welche vor allem für den Sound der Toms Wunder wirken können. Im Prinzip nimmt jedes Kugelcharakteristik- Mikrofon jedes Instrument auf. Und da die Band sehr nahe beieinander steht ist die unumgängliche Phasenverschiebung nicht mehr hörbar. Dieses Aufnahmekonzept funktioniert jedoch nur mit Bands die rein akustisch schon einen kompakten, homogenen Sound haben.

Ich nehme sowieso nur akustische Bands auf, weil dieses Konzept z.B. bei einer Fusion Band nie und nimmer befriedigend ausfallen würde. Diese Art des Aufnehmens bringt einen grossen Aufwand an Zeit mit sich. Denn wenn z.B. das Piano ein wenig zu leise und zu hell klingt, kann ich es nicht einfach am Pult zurecht regeln, sondern ich muss mit Mikrofonabständen arbeiten oder sogar das Mik austauschen. Im Prinzip wurde so in den 50er Jahren gearbeitet.

Lassen sich deine Tonabnehmer noch weiterentwickeln?

Für mich ist die Entwicklung meiner Produkte optimiert und somit vorerst abgeschlossen. Ich habe Tonabnehmer, Kabel, Vorverstärker, Verstärker und Saiten auf höchstem Niveau entwickelt. Ich muss jedoch sagen, dass mir bereits wieder neue Ideen in diesen Bereichen vorschweben.

Vielen Dank für das Interview!


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Zuletzt aktualisiert von Meyer-Eppler am 05.10.2004, 21:24:06.